23.01.2025
Diese Woche, Dienstagabend. Es war kalt. Es war dunkel. Und der Wind blies ungemütlich durch das Stelenfeld am Holocaust-Mahnmal unweit des Brandenburger Tores. Besucher sind kaum vor Ort. Aber manche eben doch. „Ich musste einfach kommen“, erzählt mir einer, der im Dunkel des Labyrinths plötzlich neben mir steht. „Es hat doch längst wieder angefangen.“ Weiter hinten biegt eine Besuchergruppe um eine der Stelen. „Nie wieder ist jetzt“, sagt der Tourguide gerade. Und was mache ich hier? Nächste Woche ist Holocaust-Gedenktag. Am 27. Januar 1945 haben Soldaten der Roten Armee das Konzentrationslager Auschwitz befreit. Aber was heißt das für uns nach 80 Jahren? Die Antwort muss irgendwo zu finden sein — zwischen Lippenbekenntnissen, Sonntagsreden und der politischen Stimmung in unserem Land! Freitagabend werde ich noch in eine Synagoge gehen. Samstagabend findet bei uns im Gemeindehaus an der Dorfkirche die Konzert-Lesung „In Auschwitz gab es keine Vögel“ statt.
Und wie wird der Gottesdienst am Sonntag in der Schilfdachkapelle? Ich weiß es noch nicht. Björn Bugri und Michael Hoeldke bereiten sich schon seit Wochen musikalisch vor. Zum Eingang spielen sie die Hatikwa. Das ist Hebräisch und heißt: „Hoffnung.“ Vielleicht ist das auch der Schlüssel für mich, der sich durch den ganzen Gottesdienst ziehen wird?