07.06.2024
„Gemeinden zeigen Haltung.“ Das ist eine Aktion unseres Kirchenkreises vor den Wahlen am Sonntag. Motto: „Dein Kreuz entscheidet.“ Ich finde das gut. Doch gerade deshalb hat mich in dieser Woche beschäftigt, dass in unserer Nachbarschaft die schwarz-weiß-rote Reichsflagge gehisst wird. Die ist zwar nicht verboten. Aber besonders unter Rechtsextremisten beliebt.
Was für eine „Haltung“ ist hier angemessen – ignorieren oder demonstrieren? Spazieren, habe ich gedacht. Und zunächst nachfragen, was das mit der Fahne soll. Also stand ich schließlich vor einem schwer zugänglichen Tor. Verschlossen. Nach einer Weile habe ich einen schmalen Gang entdeckt. Er hat mich zu einem Garten geführt. Mit Stacheldraht umzäunt. Irgendwie unheimlich. Dort habe ich geklingelt und bemerkt, wie ich von einer Videokamera gefilmt werde. „Hallo?“, habe ich gerufen. Nichts. Ich habe in die Kamera gewunken. Keine Reaktion. Weder morgens, mittags noch abends. Und nun? Mit vielen Fragen gehe ich in dieses Wochenende.
Am Sonntag werden wir im Gottesdienst in der Schilfdachkapelle für Demokratie und Menschenrechte beten. Dazu feiern wir einen fröhlichen Gottesdienst mit Tauferinnerung. Der Chor „Magic of Gospel“ singt. Vikar Gottfried Wapler und ich teilen uns Liturgie und Predigt.
Und die Fahne? Gestern Abend bin ich noch einmal zu dem Grundstück gegangen. Wieder hat keiner geöffnet. Aber schwarz-weiß-rot war nicht mehr zu sehen. Die Fahne war eingeholt.